Internetcafés im Visier

Internetcafés sind ein beliebter Ort für den anonymen Zugang zum Internet, da sie (zumindest in Deutschland) keine Registrierung erfordern und alle Spuren daher lediglich bis zum Café, nicht aber zu der den dortigen Computer nutzenden Person zurückverfolgt werden können. Aus diesem Grund sind derartige Einrichtungen in vielen Ländern bereits in den Blickpunkt von Ermittlungsbehörden und Politik geraten. In Italien ist z.B. eine Registrierungspflicht für Nutzer von Internetcafés eingeführt worden, um so Täter später besser ermitteln zu können.

Auch im Vereinigten Königreich werden nun – zunächst testweise – neue Möglichkeiten erprobt. Nach einem Bericht von Heise sucht die Londoner Polizei seit einigen Wochen ausgewählte Internetcafés im Stadtbezirk Camden auf, um die Betreiber zur Mitarbeit zu bewegen. Auf freiwilliger Basis sollen verdächtige Aktivitäten der Polizei gemeldet werden. Offen bleibt gegenwärtig noch, was genau “verdächtige” Aktivitäten sein sollen. So wird befürchtet, dass bereits das Aussehen zu einer Meldung führen könnte. Plakate und Bildschirmschoner, die den Betreibern von der Polizei angeboten werden, sollen die Nutzer zudem davor warnen, Webseiten mit “extremistischen Inhalten” zu besuchen, wobei auch hier offen bleibt, wo die Grenze zwischen legalen (aber möglicherweise extremistischen (und damit “verdächtigen”?)) Inhalten zu ziehen ist.

Wegen des Fernmeldegeheimnisses wäre in Deutschland zumindest eine technische Überwachung der aufgerufenen Inhalte unzulässig. Bleibt also noch das Bild der chinesischen Internetcafés, in denen Aufsichtspersonen durch die Gänge patrouillieren, um den Nutzern bei ihren Aktivitäten über die Schultern blicken zu können. Vielleicht wird dies auch in Europa zukünftig zu beobachten sein?

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