Mit Zaubertrank in die Arbeitslosigkeit

Online-Spieler werden wesentlich besser beobachtet, als ihnen in vielen Fällen bekannt ist. Das ist das Ergebnis einer Studie des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD). Die Betreiber der Spiele-Welten würden sich schon lange nicht mehr mit der Erfassung der Registrierungsdaten wie Username, Passwort und Auslaufdatum des Accounts begnügen. Vielmehr würden auch Zahlungsdaten, Ausstattung des PCs und vor allem das Spielverhalten protokolliert. Damit, so eine Befürchtung, könnten in Zukunft ganz neue Geschäftsmodelle möglich werden. So könnten z.B. Spieler, die bereits an einfachen Gegnern scheitern, sich ständig verlaufen und viel Geld für Heiltränke verschwendeten in der internen Datenbank als “motorisch schwach, orientierungslos und verschwenderisch” eingestuft werden. Dies wiederum könnte dazu führen, dass vermehrt Werbung für Medikamente mit konzentrationsfördernden Wirkstoffen eingeblendet wird. Sollten diese Daten zudem Headhuntern zugänglich gemacht werden, so könnte es zukünftig für diese Spieler schwerer werden, sich erfolgreich um einen Job zu bemühen.

Während das letztgenannte Beispiel noch reine Gedankenspielerei ist, droht die Grenze zwischen Spiele- und echter Welt für viele Datenschützer schon tatsächlich zu verschwimmen. Dies hängt damit zusammen, dass viele Spiele neben der reinen Entertainment-Komponente zunehmen auch Elemente von sozialen Netzwerken einsetzen. So können Nutzer untereinander kommunizieren, Freundeslisten anlegen und sich auch in der Spielewelt für echte Treffen außerhalb verabreden. Auch diese Daten werden von den Herstellern erfasst und verarbeitet, wobei dies meist intransparent für die Spieler abläuft. Die alte Maxime des Bundesverfassungsgerichts, dass jeder Nutzer stets wissen müsse, wer welche Informationen über ihn gespeichert habe, sieht damit in der digitalen Realität ein weiteres Mal ganz anders aus. Viele Spielehersteller hätten allerdings im Dialog mit dem ULD gezeigt, dass große Unsicherheiten bestünden, welche Regelungen eigentlich für sie Anwendung finden und wie diese in der Praxis umgesetzt werden müssen. Das ULD hat darauf reagiert und neben der Studie auch einen kostenlosen Leitfaden veröffentlicht.

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