Der Unterschied zwischen Löschen und Sperren

Golem berichtet über eine aktuelle Untersuchung des “Arbeitskreises gegen Internetsperren und Zensur”, die zusammen mit anderen europäischen Bürgerrechtsorganisationen durchgeführt wurde. Mit der Untersuchung sollte überprüft werden, in welchem Verhältnis Sperr- und Löschaktivitäten bei kinderpornographischen Angeboten in Großbritannien, Schweden und Dänemark stehen.

Die Ergebnisse erinnern an die Zahlen, die auch schon bei früheren Untersuchungen durch Netzaktivisten Zweifel am Sinn von Sperrmaßnahmen hervorriefen:

  • Von 167 aktuellen Sperreinträgen in Dänemark enthielten gegenwärtig nur (noch?) drei Seiten tatsächliche Abbildungen von Kindesmissbräuchen.
  • 92 Websites – und damit weit über die Hälfte der auf der skandinavischen Sperrliste eingetragenen – waren in der Zwischenzeit bereits gelöscht worden und damit überhaupt nicht mehr zugänglich.

Die an der Untersuchung beteiligten Organisationen konnten zudem zeigen, welche Folgen eine einfache E-Mail entfalten kann. Zwei der oben erwähnten Webseiten mit kinderpornographischen Darstellungen wurden in den USA gehostet und befanden sich schon seit dem Jahr 2008 auf der dänischen Sperrliste. Mit einer einfachen E-Mail wurden die Provider auf die Natur der bei ihnen abrufbaren Inhalte hingewiesen. 30 Minuten später waren beide Webseiten gelöscht. Die dritte Webseite verschwand innerhalb weniger Stunden, nachdem die Domain von der zuständigen (in diesem Fall indischen) Domainvergabestelle abgeschaltet worden war.

Vera Bunse vom AK Zensur fasst das Ergebnis des Versuchs prägnant zusammen. Für die Politiker und Behörden, die Sperrmaßnahmen propagieren gelte offenbar das Motto “Verstecken statt Verfolgen”.

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