Artikel-Schlagworte: „Kinderpornographie“

Der Unterschied zwischen Löschen und Sperren

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Golem berichtet über eine aktuelle Untersuchung des “Arbeitskreises gegen Internetsperren und Zensur”, die zusammen mit anderen europäischen Bürgerrechtsorganisationen durchgeführt wurde. Mit der Untersuchung sollte überprüft werden, in welchem Verhältnis Sperr- und Löschaktivitäten bei kinderpornographischen Angeboten in Großbritannien, Schweden und Dänemark stehen.

Die Ergebnisse erinnern an die Zahlen, die auch schon bei früheren Untersuchungen durch Netzaktivisten Zweifel am Sinn von Sperrmaßnahmen hervorriefen:

  • Von 167 aktuellen Sperreinträgen in Dänemark enthielten gegenwärtig nur (noch?) drei Seiten tatsächliche Abbildungen von Kindesmissbräuchen.
  • 92 Websites – und damit weit über die Hälfte der auf der skandinavischen Sperrliste eingetragenen – waren in der Zwischenzeit bereits gelöscht worden und damit überhaupt nicht mehr zugänglich.

Die an der Untersuchung beteiligten Organisationen konnten zudem zeigen, welche Folgen eine einfache E-Mail entfalten kann. Zwei der oben erwähnten Webseiten mit kinderpornographischen Darstellungen wurden in den USA gehostet und befanden sich schon seit dem Jahr 2008 auf der dänischen Sperrliste. Mit einer einfachen E-Mail wurden die Provider auf die Natur der bei ihnen abrufbaren Inhalte hingewiesen. 30 Minuten später waren beide Webseiten gelöscht. Die dritte Webseite verschwand innerhalb weniger Stunden, nachdem die Domain von der zuständigen (in diesem Fall indischen) Domainvergabestelle abgeschaltet worden war.

Vera Bunse vom AK Zensur fasst das Ergebnis des Versuchs prägnant zusammen. Für die Politiker und Behörden, die Sperrmaßnahmen propagieren gelte offenbar das Motto “Verstecken statt Verfolgen”.

Die dunkle Welt der Kinderpornographie

Montag, 13. September 2010

Anklagen gegen Besitzer von Kinderpornographie scheinen heute nichts Ungewöhnliches mehr zu sein. Von Hartz IV-Empfängern über Lehrer, Beamte bis hin zu Bundestagsabgeordneten werden immer wieder Funde in der Öffentlichkeit bekannt. Verhältnismäßig selten ist es hingegen möglich, auch die Hintermänner und –frauen der Szene vor Gericht zu bringen. In Darmstadt ist dies nun gelungen. Nach einem Bericht in Spiegel Online handelt es sich um ein hochprofessionell angebotenes Forum.

Über vier Jahre hinweg sollen dort “unvorstellbar harte” (so der Staatsanwalt) Porno-Bilder und –videos von Säuglingen, Vindern und Jugendlichen ausgetauscht worden sein. Vergewaltigungs- und Folterszenen sollen ebenso enthalten gewesen sein wie sämtliche Sexualtechniken. Das Forum war offenbar gut abgeschottet: es war – welch Wunder – nicht über Google erreichbar, sondern ausschließlich über die direkte Eingabe der Web-Adresse. Der Server stand in Ungarn, die Betreiber waren über die Bundesrepublik verteilt. Nutzer konnten nicht sofort auf Inhalte zugreifen, sondern mussten – als so genannte “Keuschheitsprobe” – zuerst selbst einschlägiges Material zur Verfügung stellen. Bis zum Jahr 2004 war dies quasi eine Garantie, dass verdeckte Ermittler nicht zuschlagen konnten, denn ihnen fehlte die entsprechende Rechtsgrundlage, um kinder- und jugendpornographisches Material zum Zwecke ihrer Tarnung anbieten zu können. Nur der Besitz und die Eigenbesitzverschaffung waren erlaubt. Nach § 184b Abs. 2, 5 StGB ist allerdings inzwischen auch die Besitzverschaffung für einen Dritten straflos, wenn dies der Erfüllung dienstlicher oder beruflicher Pflichten dient.

Die Keuschheitsprobe selbst gewährte allerdings noch nicht den Zugriff auf alle Bilder und Videos. Streng abgeschottete hierarchische Ebenen sollten sicherstellen, dass an die ganz harten Materialien nur die Nutzer kamen, die sich selbst bislang als besonders zuverlässig und interessiert geoutet hatten. Insgesamt sollen rund 500 Pädophile Zugang zu Materialien auf dem Server gehabt haben. Davon sind bislang 140 ermittelt worden. Das Verfahren in Darmstadt richtet sich gegen sechs Betreiber im Alter zwischen 30 und 58 Jahren, von denen sich einige unter anderem auch wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten müssen, also über die Verbreitung der Bilder hinaus auch selbst Hand angelegt haben.

Aufgeflogen ist das Forum lediglich durch einen anonymen Hinweis im letzten Jahr. 160 zeitgleich durchgeführte Razzien in ganz Deutschland, bei der alleine bei einem einzigen Angeklagten über 66.000 Dateien mit kinderpornographischen Material sichergestellt werden konnte, waren die Basis für die nachfolgenden Anklagen.

Bei den internationalen Großrazzien, die in der Vergangenheit durchgeführt wurden, zeigte sich meist, dass das aufgefundene Material ein guter Ausgangspunkt für spätere Folgeuntersuchungen war: die beschlagnahmten Rechner der Pädophilen enthielten zumeist weitere Kontaktadressen von anderen Foren oder Personen, mit denen ein direkter Austausch gepflegt wurde. Fast wellenartig konnten dann in der Folgezeit nach der ersten Razzia weitere einschlägige Boards durchsucht werden, was wiederum zu neuen Ausgangsuntersuchungen führte. Es dürfte also eine Frage der Zeit sein, bis aus den 160 hier entstandenen Verfahren die nächste Durchsuchungswelle generiert werden kann.

Interessant in diesem Zusammenhang ist übrigens ein kleiner Nebensatz, der im Artikel fast untergeht: “Um Geld sei es allerdings nicht gegangen”. Dies stellt ein weiteres Fragezeichen hinter die oft vorschnell hinausposaunte Aussage einiger Politiker, über den großen Markt der Kinderpornographie würden regelmäßig Millionenbeträge ausgetauscht. Wie man an der Aktion Mikado sehen kann, ist es nicht ausgeschlossen, dass Zugänge auch gegen Geld angeboten werden. Eine generelle Aussage scheint sich jedoch nicht ganz so klar treffen zu lassen, wie dies einige gerne hätten.

Kinderpornos auf dem Handy

Sonntag, 6. Juni 2010

Der wegen Besitzes von kinder- und jugendpornographischer Bilder verurteilte Abgeordnete Jörg Tauss hatte unter anderem argumentiert, Bilder würden heute nicht mehr über das Internet, sondern vor allem mit Hilfe von Mobiltelefonen getauscht werden. Ein kürzlich in den Medien berichteter Fall aus Newcastle scheint dies zu bestätigen. Dort war – bereits im Februar 2009 – in einem Bus ein Mobiltelefon gefunden. Bei der Suche nach dem Besitzer wurden auf dem Telefon Bilder von missbrauchten Kindern gefunden. Im Rahmen der weiteren Ermittlungen konnte der Besitzer ausfindig gemacht und seine Wohnung durchsucht werden. Der Täter hatte mehrere Mobilfunkgeräte bei sich, insgesamt wurden 12 Handys sichergestellt. Auf jedem zweiten konnten einschlägige Bilder sichergestellt werden.

Über die ein- und ausgegangenen Nachrichten auf den Geräten konnte nachvollzogen werden, mit wem der Täter in Kontakt stand. Inzwischen hat der Fund im Bus zu fünf Verurteilungen und Ermittlungen gegen 70 weitere Personen geführt.