Artikel-Schlagworte: „Soziale Netzwerke“

Mit Zaubertrank in die Arbeitslosigkeit

Mittwoch, 29. September 2010

Online-Spieler werden wesentlich besser beobachtet, als ihnen in vielen Fällen bekannt ist. Das ist das Ergebnis einer Studie des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD). Die Betreiber der Spiele-Welten würden sich schon lange nicht mehr mit der Erfassung der Registrierungsdaten wie Username, Passwort und Auslaufdatum des Accounts begnügen. Vielmehr würden auch Zahlungsdaten, Ausstattung des PCs und vor allem das Spielverhalten protokolliert. Damit, so eine Befürchtung, könnten in Zukunft ganz neue Geschäftsmodelle möglich werden. So könnten z.B. Spieler, die bereits an einfachen Gegnern scheitern, sich ständig verlaufen und viel Geld für Heiltränke verschwendeten in der internen Datenbank als “motorisch schwach, orientierungslos und verschwenderisch” eingestuft werden. Dies wiederum könnte dazu führen, dass vermehrt Werbung für Medikamente mit konzentrationsfördernden Wirkstoffen eingeblendet wird. Sollten diese Daten zudem Headhuntern zugänglich gemacht werden, so könnte es zukünftig für diese Spieler schwerer werden, sich erfolgreich um einen Job zu bemühen.

Während das letztgenannte Beispiel noch reine Gedankenspielerei ist, droht die Grenze zwischen Spiele- und echter Welt für viele Datenschützer schon tatsächlich zu verschwimmen. Dies hängt damit zusammen, dass viele Spiele neben der reinen Entertainment-Komponente zunehmen auch Elemente von sozialen Netzwerken einsetzen. So können Nutzer untereinander kommunizieren, Freundeslisten anlegen und sich auch in der Spielewelt für echte Treffen außerhalb verabreden. Auch diese Daten werden von den Herstellern erfasst und verarbeitet, wobei dies meist intransparent für die Spieler abläuft. Die alte Maxime des Bundesverfassungsgerichts, dass jeder Nutzer stets wissen müsse, wer welche Informationen über ihn gespeichert habe, sieht damit in der digitalen Realität ein weiteres Mal ganz anders aus. Viele Spielehersteller hätten allerdings im Dialog mit dem ULD gezeigt, dass große Unsicherheiten bestünden, welche Regelungen eigentlich für sie Anwendung finden und wie diese in der Praxis umgesetzt werden müssen. Das ULD hat darauf reagiert und neben der Studie auch einen kostenlosen Leitfaden veröffentlicht.

Facebook AGB, v04/2010

Dienstag, 30. März 2010

In einer vor kurzem veröffentlichten groß angelegten Untersuchung von Stiftung Warentest waren Datensicherheit und die Datenschutzbestimmungen der großen sozialen Netzwerke näher unter die Lupe genommen worden. Insbesondere die amerikanischen Firmen hatten dabei besonders schlecht abgeschnitten,  da sie zwar die Nutzerrechte weitestmöglich (und nach deutschem Verständnis zum Teil auch darüber hinaus) beschränken, gleichzeitig sich selbst jedoch weitreichende eigene Rechte einräumen.

Facebook hat nun eine Neufassung seiner Datenschutzregelungen angekündigt. Nach dem gegenwärtigen Entwurf sieht der Betreiber jetzt das Recht für sich vor, “anderen überprüften Webseiten … allgemeine Daten” über den Nutzer automatisiert zur Verfügung zu stellen. Hierzu sei Facebook “gelegentlich gezwungen”, damit Nutzer “auch außerhalb von Facebook nützliche Erfahrungen im sozialen Bereich machen” könnten. Der automatische Datentransfer soll nur stattfinden, wenn der Nutzer gegenwärtig bei Facebook eingeloggt ist und es sich um eine Website handelt, die ein besonderes Zulassungsverfahren bei Facebook durchlaufen hat. Dabei sollen zwischen der Drittsite und Facebook “gesonderte Vereinbarungen” abgeschlossen werden, die dem Datenschutz dienen sollen.

Schon im oben erwähnten Test war Facebook aufgrund seiner sehr freizügigen Datenweitergabepraxis negativ aufgefallen. Nach Aussage von Hubertus Primus, Bereichsleiter bei Stiftung Warentest, bestehe bei den amerikanischen Einrichtungen ein “grundsätzlich anderes Verständnis von Datenschutz”. Insbesondere durch die freizügige Weitergabe an Dritte auch im außereuropäischen Auslande würde “dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet”, etwa wenn Facebook-Daten im Rahmen von beliebten Spielen zur Verfügung gestellt würden. Zudem, so ergänzt Holger Brackemann, Untersuchungsleiter bei Stiftung Warentest, habe das Portal “eine 180-Grad-Wende zum Negativen hingelegt”, da es persönliche Informationen grundsätzlich erst einmal für alle zugänglich mache. Erst wenn der Nutzer über ein schwierig auffindbares und nur kompliziert zu bedienendes Menü seine Einstellungen ändert, kann dies abgestellt werden.

Auch für die automatische Datenweitergabe in den neuen AGB ist offenbar ein Opt-Out geplant, d.h. die Zustimmung gilt als erteilt, wenn der Nutzer nicht automatisch widerspricht. Zu den weitergereichten Informationen gehören u.a. Profilbilder, Geschlecht sowie Verbindungen. Das deutsche Datenschutzrecht hat vom Umgang mit personenbezogenen Daten eigentlich eine andere Vorstellung…

Die Polizei ermittelt auf Facebook & Co.

Freitag, 19. März 2010

Das hatten sie sich wohl anders vorgestellt: Immer mehr Täter werden aufgrund ihrer Aktivitäten in sozialen Netzwerken verhaftet. Pasquale Manfredi, der angeblich die ‘Ndrangheta in Kalabrien leitet, soll über Facebook verschlüsselte Anweisungen an seine Mitarbeiter gegeben und mit anderen Mafia-Größen in Kontakt gestanden haben. Seine Vorliebe für die elektronischen Medien ist ihm nun wohl zum Verhängnis geworden. Auch seine 200 Facebook-Freunde dürfen sich jetzt darauf gefasst machen, auf eine mögliche Mafia-Zugehörigkeit hin überprüft zu werden…

Ähnlich ging es Maxi Sopo, der sich über sein Versteck in Mexiko so gefreut hat, dass er seine Freunde über Facebook darüber stets auf dem Laufenden hielt. Die Staatsanwaltschaft in Seattle, die gegen Sopo wegen Betrugsvorwürfen ermittelte, las seine Berichte jedoch ebenfalls mit großem Interesse und bat die mexikanischen Behörden um Amtshilfe. Statt Pina Colada zu schlürfen, darf Sopo nun auf seine Auslieferung an die USA warten.

Der Bericht von Richard Lardner auf Yahoo News zeigt die Möglichkeiten, die sich Strafverfolgungsbehörden heute dank der sozialen Netzwerke bieten: Alibis von Beschuldigten lassen sich zum Beispiel mit Hilfe von Blogs und eigenen Aktivitätsberichten in sozialen Netzwerken überprüfen und ggf. in Frage stellen, Freundeskreise können auch im Hinblick auf täterschaftliche Verbundenheit überprüft werden. Fraglich ist momentan vor allem, welche Handlungen Ermittlungsbeamten in sozialen Netzwerken  erlaubt oder verboten sein sollen: die bloße Teilnahme an sozialen Netzwerken? die Nutzung erfundener digitaler Identitäten? der Aufbau elektronischer online-Beziehungen?

Auch ein Bericht bei Wired geht auf diese Problematik und ein Dokument des U.S. Justizministeriums ein, das die (dort) zulässigen Aktivitäten auflistet. Insbesondere die Unterschiede zwischen offline- und online-Ermittlungsmaßmahmen werden dort ebenfalls thematisiert. So soll es nach (offline) U.S.-Recht unzulässig sein, sich als nahe Verwandte oder enge Freunde einer Person auszugeben, wohingegen dies in online gegenwärtig erlaubt ist.