Forschungsinteressen

Dr. Phillip Brunst arbeitet an der Schnittstelle zwischen Recht und Technik. Er untersucht insbesondere aktuelle Fragestellungen aus dem Informationsrecht und beschäftigt sich mit wesentlichen Problemen der Rechtsinformatik.

Informationsrecht

Das Informationsrecht, das häufig auch als „Computerrecht“, „Multimediarecht“ oder „Internetrecht“ bezeichnet wird, befasst sich mit den Reaktionen der Rechtswissenschaft auf die Entwicklungen der modernen Informationstechnologie. Dies betrifft etwa die Einführung elektronischer Signaturen im Rechtsverkehr, die Schaffung digitaler Zugänge zum Abruf von Informationen staatlicher Institutionen oder die Entwicklung eines strafrechtlichen Regelungssystems zum Umgang mit Straftaten im digitalen Raum. Es handelt sich also um eine echte Querschnittsmaterie, welche die Bereiche des Zivilrechts, des Öffentlichen Rechts und des Strafrechts miteinander verbindet.

Dr. Brunst befasst sich insbesondere mit den strafrechtlichen Aspekten des Informationsrechts sowie mit dem Komplex des (vor allem Internet-) Datenschutzrechts.

Im Bereich des Strafrechts untersucht er besonders die Phänomene grenzüberschreitender Computerkriminalität sowie die nationalen und internationalen Instrumente zu ihrer Bekämpfung. Das gemeinsam mit Dr. Marco Gercke verfasste „Handbuch Internetstrafrecht“ beleuchtet beispielsweise die rechtlichen Antworten in Deutschland auf diese Herausforderungen. Die internationalen Schwierigkeiten hat Dr. Brunst insbesondere anhand der Gefahren durch die Internetnutzung von Terroristen, häufig als „Cyberterrorismus“ bezeichnet, untersucht.

Seine (mehrfach ausgezeichnete) Dissertation befasst sich hingegen mit den Wechselwirkungen von Recht und Technik einerseits und der engen Verbindung von straf- und datenschutzrechtlichen fragestellungen andererseits. Sie beschäftigt sich mit der Erforschung des Spannungsverhältnisses zwischen Anonymität im Internet und den Möglichkeiten einer wirksamen Strafverfolgung.

Rechtsinformatik

Während das Informationsrecht sich vorwiegend mit rechtlichen Fragen beschäftigt, legt die Rechtsinformatik einen stärkeren Fokus auf die technische Implementierung von Lösungen, die Bedeutung für Juristen oder die Rechtswissenschaft allgemein haben. So wird bereits seit langer Zeit daran geforscht, juristische Entscheidungsprozesse und den Vorgang der Subsumtion mit Hilfe von künstlicher Intelligenz elektronisch abzubilden.

Dr. Brunst verfolgt vielfältige Forschungsinteressen im Bereich der Rechtsinformatik. Bisher lag ein Schwerpunkt auf der Entwicklung von so genannten E-Learning-Programmen, die sich speziell an Juristen richten. Bisherige Projekte betrafen die Vermittlung von angewandtem Wissen, von juristischer Fachkompetenz sowie rechtsvergleichende Expertensysteme.

An der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) hat Dr. Brunst zum Beispiel als verantwortlicher Entwickler Applikationen zum Dokumentenmanagement sowie zur Vermittlung technischen Grundlagenwissens für Studierende realisiert. Beide Anwendungen waren über mehrere Jahre hinweg im produktiven Einsatz.

Das E-Learning-Programm „cueno“ richtete sich an Studierende der Rechtswissenschaft und vermittelte multimedial unterstützt strafrechtliches Fachwissen. Die Konzeption, Entwicklung sowie schließlich das konkrete Angebot wurden vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst gefördert und gemeinsam von der LMU und dem Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales angeboten. Dr. Brunst saß als Projektverantwortlicher an der Schnittstelle zwischen den rechtlichen Fragestellungen, die im Rahmen der einzelnen Lektionen vermittelt werden sollten, den didaktischen Herausforderungen sowie den technischen Aspekten der Umsetzung. Das Angebot stand von 2005 bis 2010 kostenlos zur Verfügung. Ebenfalls im Bereich der Vermittlung juristischen Fachwissens angesiedelt ist ein Beitrag, den Dr. Brunst für ein E-Learning-Angebot des KIC in Seoul/Korea verfasst hat.

Das „Internationale Max-Planck-Informationssystem für Strafrechtsvergleichung“ in Freiburg i. Br. stellt schließlich ein Expertensystem für Wissenschaftler dar, die sich Fachinformationen des Auslandsrechts für rechtsvergleichende Projekte mit Hilfe von Computersystemen abrufen möchten. In den weiteren Ausbaustufen sollen auch rechtsvergleichende Informationen sowie Hintergrunddaten zu den einzelnen Rechtsordnungen abrufbar gemacht werden. Dr. Brunst war für das Projekt über mehrere Jahre hinweg als technischer Leiter mit verantwortlich.

Neben der aktiven Gestaltung von E-Learning-Applikationen hat Herr Dr. Brunst auch Inhalte für derartige Projekte erstellt. Für das Virtual Forum Against Cybercrime des Korean Institute of Criminology (KIC) und des UN Office on Drugs and Crime (UNODC) hat er zum Beispiel einzelne Module konzipiert. Die technische Umsetzung erfolgte durch das KIC.

Preise und Auszeichnungen